Echte und schlechte Wahlmöglichkeiten

Warenregal im SupermarktIm Umfeld der Rio+20 Konferenz vom Juni 2012 ist viel von „nachhaltigem Konsum“ die Rede, aber auch vom wachsenden ökologischen Fussabdruck, den wir mit unserem Lebensstil hinterlassen. Mit zahlreichen Studien und Informationsoffensiven wurde in den letzten Jahren versucht, unseren Ressourcenverbrauch besser darauf abzustimmen, dass die Welt begrenzt ist. Nüchtern betrachtet war die Wirkung dieser umfangreichen Bemühungen um Wissen und Einsicht in die ökologischen und sozialen Folgen unseres Konsumverhaltens sehr bescheiden.

Rio+20 soll dazu beitragen, der Idee der Nachhaltigen Entwicklung neues Leben einzuhauchen. Das Rezept heisst „grüne Wirtschaft“. Das tönt gut, wäre doch viel gewonnen, wenn nachhaltige Produkte und Produktionsprozesse zur Selbstverständlichkeit würden und wir uns als Konsumentinnen und  Konsumenten darauf verlassen könnten, dass die Umwelt durch unseren Konsum nicht über Gebühr belastet wird.

In der Konsumgesellschaft geniessen wir grosse Wahlmöglichkeiten. Tausende Produkte in zahlreichen Varianten stehen zur Auswahl. Allerdings wird die Wahl zuweilen zur Qual. Wer vor einem Dutzend Waschmitteln oder sieben verschiedenen Sorten von Tomaten steht, entscheidet in der Regel nicht nach detailliertem Studium von Produktdeklarationen und sorgfältigem Abwägen von verfügbarem Vorwissen sondern greift nach dem, was er oder sie kennt und was sich bewährt hat.

Informationen über die Ökobilanz des Produkts X, die Glaubwürdigkeit des Labels Y oder die Arbeitsbedingungen, unter denen das Produkt Z hergestellt wurde, führen möglicherweise zu Verunsicherung, einen verantwortungsvollen Entscheid garantieren sie aber nicht. Vielmehr stellen sich neue Fragen: Ist die Informationsquelle verlässlich? Sind die Alternativen wirklich vergleichbar? Ist ein Wechsel die Preisdifferenz wert? Dazu kommen die zuweilen enttäuschenden Erfahrungen, die mit Produktwechseln verbunden sind. Das Misstrauen wächst und die Bereitschaft, die eigenen Konsumgewohnheiten zu hinterfragen, sinkt.

Zumindest wenn es um die Dinge des täglichen Bedarfs geht, sind darum grosse Fragezeichen angebracht gegenüber der isolierten Forderung nach „bewusstem“ Konsum. Warum schreiben sich trotzdem immer mehr Firmen die Prädikate „Umwelt-“ und „Sozialverträglichkeit“ auf die Fahne? Haben wir Anlass zu Hoffnung?

Unternehmen, die es wirklich ernst meinen mit dem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen, überprüfen nicht nur interne Prozesse sondern auch ihr Angebot und nehmen problematische Produkte aus dem Sortiment (vgl. Literaturhinweis unten). Dass damit die Wahlmöglichkeiten kleiner werden, ist auch aus Konsumentensicht positiv zu werten, solange damit ein qualitativer Gewinn verbunden ist.

Aus Sicht der Nachhaltigen Entwicklung wäre eine „grüne Wirtschaft“, die sich auch über umwelt- und sozialverträgliche Produkte definiert, ein grosser Schritt nach vorne. Die heutige Situation ist geprägt von kleinen Minderheiten, die sich um einen vorbildlich ökologischen Lebensstil bemühen, während breiten Bevölkerungskreisen lediglich die Freude am Konsum vergällt wird, indem sie mit Nachrichten über die fortschreitende Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen eingedeckt werden. Wetten, dass für den Planeten Erde mehr erreicht ist, wenn Unternehmen ihre Verantwortung wahrnehmen, indem sie nicht nachhaltige Optionen gar nicht erst zur Wahl stellen?

Weitere Informationen zur Rolle der Wirtschaft für einen nachhaltigen Konsum: